Haiger zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Die Digitalisierung verändert alle Lebensbereiche – auch in Haiger. Ob Verwaltung, Schulen, Wirtschaft oder privater Alltag: vieles soll digital einfacher werden. Doch die Realität zeigt, dass der Fortschritt oft langsamer verläuft, als die Bürgerinnen und Bürger es erwarten.
Infrastruktur – Glasfaser noch nicht überall angekommen
Schnelles Internet ist die Grundlage jeder digitalen Entwicklung. Zwar wurde in Haiger in den letzten Jahren kräftig investiert, und die Kernstadt ist größtenteils gut versorgt – doch in einigen Wohngebieten und Ortsteilen bestehen weiterhin Lücken. Langsame Anschlüsse und instabile Verbindungen bremsen Betriebe, Homeoffice und digitales Lernen aus. Digitalisierung funktioniert nur, wenn sie überall funktioniert – nicht nur dort, wo sich der Ausbau wirtschaftlich lohnt.
Verwaltung – digital, aber oft kompliziert
Die Stadtverwaltung bietet bereits einige Online-Dienste an, etwa Terminbuchungen oder digitale Formulare. Doch viele Vorgänge sind noch nicht vollständig digital abbildbar oder bleiben für Bürgerinnen und Bürger zu umständlich. Zudem fehlt es an klaren Abläufen und an einer zentralen Struktur, die verschiedene digitale Angebote bündelt. Digitalisierung darf nicht heißen, dass man einfach Papier durch PDFs ersetzt – sie soll Prozesse vereinfachen und nachvollziehbar machen.
Schulen und Bildung – Technik allein reicht nicht
In den Schulen sind moderne Tafeln, WLAN und Tablets inzwischen vorhanden, aber die Umsetzung im Alltag bleibt schwierig. Technische Probleme, fehlende Betreuung und uneinheitliche Nutzung bremsen den Fortschritt. Zudem braucht es mehr Unterstützung für Lehrkräfte und Eltern, um digitale Lernformen sinnvoll einzusetzen. Digitalisierung muss den Unterricht bereichern – nicht erschweren.
Digitale Teilhabe – nicht alle werden mitgenommen
Viele Bürgerinnen und Bürger, vor allem ältere Menschen, fühlen sich mit digitalen Anwendungen überfordert. Online-Formulare oder E-Mail-Kommunikation ersetzen persönliche Kontakte, die weiterhin wichtig bleiben. Wer Digitalisierung ernst meint, muss dafür sorgen, dass niemand ausgeschlossen wird – egal ob im Rathaus, im Verein oder im Alltag.
Wirtschaft – Potenzial, das gebremst wird
Haigers Unternehmen investieren zunehmend in digitale Prozesse, doch auch hier fehlt es an verlässlicher Infrastruktur. Langsame Anschlüsse, bürokratische Hürden und fehlende Schnittstellen zu Behörden bremsen Innovationen aus. Gerade Handwerksbetriebe und kleine Unternehmen brauchen einfache, digitale Lösungen, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Fazit
Haiger steht bei der Digitalisierung auf einem soliden Fundament – aber die Lücken sind spürbar. Langsames Internet, komplizierte Verwaltungsprozesse und ungleiche Voraussetzungen in Schulen und Betrieben zeigen, dass es noch viel zu tun gibt.
Digitalisierung darf kein Schlagwort sein, sondern muss im Alltag funktionieren – schnell, verständlich und für alle zugänglich. Nur so kann Haiger den digitalen Wandel meistern und daraus echten Nutzen für Verwaltung, Wirtschaft und Bürger ziehen.